Ich weiß nicht genau, wann das Schauen von Shows und Filmen ohne Untertitel für mich unangenehm wurde – als Englisch-Muttersprachlerin ohne Taubheit oder Hörschwäche.
Aber genau dort bin ich angekommen.
Und ich bin damit nicht allein.
Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich vom Vorjahr zeigt: Vier von fünf Zuschauern zwischen 18 und 25 Jahren nutzen Untertitel ständig oder teilweise.
Das wirft die Frage auf …
Warum greifen immer mehr auf Untertitel zurück?
Ich habe Lauren Rosewarne, Medien- und Popkultur-Expertin an der University of Melbourne, kontaktiert. Sie erklärt, wie die einst umstrittene „Ein-Zoll-Barriere“ am unteren Bildschirmrand zu einem unverzichtbaren Streaming-Feature wurde – auch wenn sie technisch nicht zwingend nötig ist.
„Wir haben heute viele verschiedene ‚Ablenker‘“, sagt Professor Rosewarne.
„Wir konsumieren Medien nicht mehr primär im Kino, sondern im Fernsehen, auf Smartphones und Computern – oft bei gleichzeitigen Ablenkungen durch andere Bildschirme.“
Das meint: Serien oder Filme auf dem großen Screen genießen, während man parallel auf dem Handy scrollt.
„Deshalb verpassen wir Dialoge. Untertitel helfen, den Überblick zu behalten – auch bei Inhalten, denen wir nicht unsere volle Aufmerksamkeit schenken können, weil der Alltag dazwischenfunkt.“
Streaming-Dienste tragen ebenfalls Schuld
Kennt man das? Die Musik dröhnt übermächtig laut im Vergleich zum Dialog? (Schau hin, Euphoria.)
Professor Rosewarne bestätigt: „Der Ton ist oft mangelhaft. Tonkomprimierung lässt Hintergrundgeräusche Dialoge übertönen, abhängig von der Produktion.“
„Bei manchen Plattformen ist der Sound unausgewogen: Musik explodiert, Dialoge flüstern. Zudem sind Bilder häufig zu dunkel, was Untertitel essenziell macht.“
(Schau hin, Haus des Drachen.)
Persönliche Faktoren zählen ebenfalls
Muttersprache spielt eine Rolle: In der Zweit- oder Drittsprache sind Untertitel hilfreich.
In sozialen Medien berichten Neurodivergente, wie Untertitel beim Verarbeiten von Inhalten unterstützen – wenngleich nicht universell.
Untertitel als willkommener Genuss
Erinnert ihr euch an Stranger Things? Die Untertitel beschrieben Tentakelbewegungen als „nass quetschend“ oder Musik als „[angespannte industrielle Synth-Musik]“.
Untertitel werden zur Kunst, wenn sie Szenen lebendig beschreiben – ähnlich präzisen Fremdsprach-Übersetzungen.
Kein Wunder, dass Fans sie schätzen.
Allerdings: Schlechte Übersetzungen, automatisierte Fehler oder Zensur stören. Sie benachteiligen Hörgeschädigte und wirken für andere ablenkend – wie #subtitlehaters beklagen.
TL;DR: Lang lebe der präzise, lebendige Untertitel!