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Das Kind, das Spider-Man sammelt: Eine unvergessliche Geschichte aus Amazing Spider-Man #248

Als Experte für Marvel-Comics weiß ich: Spider-Man begeistert durch Kämpfe gegen interdimensionale Bedrohungen, menschenfressende Reptilien oder verrückte Krakenmenschen. Doch sein Erfolg gründet auf seiner Bodenständigkeit als normaler Typ mit außergewöhnlichen Kräften. Deshalb ist einer seiner beliebtesten Auftritte kein Action-Spektakel, sondern ein einfacher Besuch bei einem jungen Fan.

Der actiongeladene Einstieg

Bevor es herzerwärmend wird, gibt es erst einmal Action: Spider-Man nimmt den Kampf gegen Thunderball auf, ein ehemaliges Wissenschaftsgenie, das mit Superkraft, Unverwundbarkeit und einer riesigen Abrissbirne Gebäude zerstört. So enden nun mal die Karrieren unserer klügsten Köpfe.

Spidey ist rechtzeitig da (auf der Suche nach dem Hobgoblin-Versteck), um Thunderballs Zerstörungswut am eigenen Hauptquartier zu stoppen. Er ruft Verstärkung, entreißt dem Bösewicht sein verzaubertes Brecheisen – durchdrungen von asgardischer Magie – und lockt ihn zum Stromnetz. Dort short-circuiten Thunderballs Kräfte, er wird bewusstlos und von der Polizei abgeführt.
Klassisch Spider-Man: Die Menge dankt nicht fürs Retten des Tages, sondern jammert über den "schlimmsten Verkehrsstau in der Geschichte von Eastern Long Island". Prioritäten, nicht wahr?

Der wahre Protagonist

Nach dem Kampf hitcht der Web-Slinger auf einer Pick-up-Ladefläche zurück nach New York. Dort lernen wir den echten Protagonisten kennen: den titelgebenden "Kid Who Collects Spider-Man!" – dank eines Auszugs aus dem Signalhorn. Timothy Harrison, neun Jahre alt, "scharf, sympathisch und auf dem Weg in die fünfunddreißig", teilt Interessen wie die Mets, New-Wave-Musik und Star Wars. Doch seine Leidenschaft ist Spider-Man.
Peter Parker liest den Artikel beim Signalhorn und besucht Tim. Er beweist seine Echtheit, indem er Wände hochklettert, unters Bett rutscht und es einhändig hebt. Spidey bewundert Tims Sammlung: "acht große Sammelalben mit Zeitschriften- und Zeitungsausschnitten, Kinescopes seltener TV-Auftritte und einzigartige Souvenirs".
Ist das nur Ego? Bald offenbart Spidey seine geheime Herkunft, erklärt die Web-Shooter (mit einer improvisierten Hängematte) und erzählt vom Tod seines Onkels Ben – dem Moment, der ihn zum Helden machte: "Mit großer Kraft kommt große Verantwortung."

Der große Twist

Tim kontert mit zerquetschten .38-Kugeln aus einem vereitelten Banküberfall – dank Spinnensinn entkommen. Ein Kichern über J. Jonah Jamesons geplatzten Anti-Spidey-Artikel (er nannte ihn Electro), dann ist Schlafenszeit. Doch Tim bittet um die Identität.
Zögernd enthüllt Peter Parker sein Gesicht. Tim erkennt den Fotografen aus seinen Alben und schwört Schweigen. Spidey verschwindet – und der Punchline folgt:
Beim Sprung über eine Mauer mit "SLOCUM BREWER CANCER CLINIC"-Schild erfährt man: Tim hat Leukämie, ihm bleiben wenige Wochen. Spider-Man konnte ihn nicht retten, aber seinen Wunsch erfüllen.

Hinter den Kulissen

Regelmäßiger Amazing Spider-Man-Autor Roger Stern schrieb diese Kurzgeschichte mit Ron Frenz und Terry Austin (Thunderball-Teil: John Romita Sr. und Brett Breeding). Stern: "Ich wachte mit der Idee auf – inspiriert von einer alten Superman-Story. Ich wollte eine menschliche Geschichte im Stil von Will Eisner, vorangetrieben durch Zeitungsartikel."

Will Eisner, Schöpfer von The Spirit, Urvater der Graphic Novels, war Vorbild. Kein Wunder: "The Kid Who Collects Spider-Man!" toppte Listen, wurde nachgedruckt und 1996 in Spider-Man: The Animated Series adaptiert. Ein Highlight im Spider-Man-Pantheon.