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Warum Astrologie bei Millennials und Gen Z trotz Wissenschaftsgläubigkeit boomt

Um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht an Astrologie. Dennoch bin ich nicht nur eine Fische-Sonne, sondern habe auch einen aufsteigenden Widder, einen Krebsmond, und mein Merkur sowie Venus stehen ebenfalls in den Fischen. Schlimmer noch: Mein Geburtshoroskop beschreibt mich perfekt.

Vorausgesetzt, Sie haben nicht angewidert weggeklickt, gestehe ich: Ich checke morgens oft meine Co-Star-App. Und ja, ich war mehrmals am Boden zerstört, als ich von miserabler Kompatibilität mit potenziellen Partnern erfuhr – was mich aber nie abhielt.

Wie kann Astrologie ein fester Bestandteil meines Lebens sein, obwohl wissenschaftliche Belege fehlen?

Gen Z und Millennials: Astrologie-Fans und Wissenschaftsgläubige

Zu meiner Verteidigung: Dieses Paradoxon ist bei Millennials und Gen Z weit verbreitet. Laut Google Trends erreichten Suchanfragen nach „Geburtshoroskop“ und „Astrologie“ 2020 ein Fünfjahreshöchststand – das Interesse hält an.

Dies mindert meinen Schamkomplex, vertieft aber das Rätsel: Warum lernen wir alle unsere Horoskope auswendig? Diese Generation verehrt die Wissenschaft. Die australische Volkszählung zeigt: Millennials und Gen Z sind säkularer als Vorgänger. 2021 gaben fast die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen an, keiner Religion anzugehören – mehr als doppelt so viele wie bei über 65-Jährigen.

Wir wuchsen mit unfehlbarer Wissenschaft auf: Klimawandel, Impfstoffe. Als techaffin, zynisch gegenüber Fake News und mit hohen Beweisstandards gelten wir als rationale Denker. Warum dann Astrologie?

Die gängige Erklärung: Unsere instabile, dystopische Welt.

Astrologie als leichte Alternative zur Religion

Inmitten von Chaos suchen wir Orientierung. Warum Astrologie statt Religion? Befragungen für den ABC-Podcast „Schmeitgeist“ zeigen: Astrologie fordert wenig. Annie sagte: „Wenn es dich anspricht, nimm mehr davon – sonst wirf es weg.“ Frances ergänzte: „Religiöse Dogmen wirken manipulativ, Horoskope sind interpretierbar.“

Tatsächlich: Ich kann Astrologie ablehnen und doch meine Vorhersage checken – ohne Gott oder Priester, die Heuchelei rügen.

Der scheinbare Widerspruch zur Wissenschaft

Wie passt selektiver Glaube zu unserem Fokus auf Fakten? Micah Goldwater, leitender Dozent für Psychologie an der University of Sydney und Experte für Glaubensbildung, erklärt: „Unser Wissenschaftsverständnis ist oft oberflächlich. Es gibt selten Konflikt zwischen Denksystemen.“

Zudem der „Impuls der Wiederverzauberung“: Historisch sahen wir die Welt magisch. Wissenschaft entzaubert, doch wir sehnen uns nach Mysterium und Verbundenheit mit etwas Größerem, sagt Dr. Goldwater.

Ange Lavoipierre ist preisgekrönte Journalistin, Autorin und Komikerin. Sie moderiert den neuen ABC-Kultur-Podcast „Schmeitgeist“.