Kekse für den Weihnachtsmann, der Lieblingsurlaubsfilm, heiße Schokolade, Weihnachtslieder in der Nachbarschaft, Rentierstaub auf dem Gehweg, Sightseeing im festlichen Licht, passende Pyjamas – Heiligabend bietet unzählige wunderbare Feierideen. Als Eltern entdecken wir mit Freude, welche magischen Traditionen wir an unsere Kinder weitergeben können. Eine besonders herzerwärmende Tradition aus Island könnte bald Ihre Familienfavoritin werden: Haben Sie schon von Jolabokaflod gehört?
Jolabokaflod – was steckt dahinter?
Jolabokaflod, auf Englisch „Christmas Book Flood“ oder „Weihnachtsbuchflut“, ist eine isländische Tradition: Am Heiligabend verschenkt man neue Bücher, packt sie gemeinsam aus, kuschelt sich ins gemütliche Nest und liest bis tief in die Nacht. Es wirkt schlicht – keine grellen Lichter – doch Eltern wissen: Die einfachsten Momente zaubern die größte Freude, wie das Quietschen im ersten Schnee. Und einfach bedeutet weniger Aufwand für uns Eltern.
Die Wurzeln von Jolabokaflod reichen bis in den Zweiten Weltkrieg zurück, als Papier in Island nicht rationiert war. Bücher wurden reichlich und mit Hingabe verschenkt, wo andere Geschenke fehlten. Heute lebt die Tradition fort: Ende September landet der kostenlose Katalog Bokatidindi mit den neuesten Buchtiteln in jedem Haushalt. Isländer stürmen die Buchläden – diese „Buchflut“ treibt die meisten Bücherkäufe des Jahres an. Die gefeiertsten Werke werden für die Weihnachtssaison aufgespart, in der Hoffnung, unter dem Baum zu landen.
Island ist eine Nation der Leser. Eine Studie aus 2019 zeigt: Im Schnitt lesen Isländer 2,3 Bücher pro Monat (im Vergleich: Die meisten US-Amerikaner lesen jährlich nur vier Bücher, ein Viertel gar keines in vier Jahren). Zudem veröffentlicht jeder zehnte Islaner ein eigenes Buch. Liegt das an Jolabokaflod? Es ist plausibel: Eine Kultur, die Büchern ein Fest widmet, pflanzt die Liebe zum Lesen tief ein.
Jolabokaflod als entspannte Alternative zum übertriebenen Programm
Letztes Jahr übertrieb es meine Familie am Heiligabend. Unser Kind verstand Weihnachten erstmals richtig, und wir wollten nichts auslassen: Polar-Express-Zugfahrt, endlose heiße Kakao-Runden, Lieder, Kekse backen. Am Morgen waren wir erschöpft – die Magie verpufft durch den Trubel. Dieses Jahr lockt ein ruhiger Abend mit neuen Büchern: Wir ruhen uns aus, lauschen dem Schlittenglockenklang und sparen die Aufregung für den Morgen auf.
Bücher regen Kinder an, Fragen zu stellen, Verbindungen zu knüpfen, Horizonte zu erweitern und Selbstvertrauen aufzubauen. Gemeinsames Lesen vertieft die Eltern-Kind-Bindung und schafft Worte für große Emotionen. Es entspannt, reduziert Stress und erfordert kein Aufräumen wie Kekskrümmel. Ohne Bokatidindi eignen sich moderne Märchen oder Klassiker zum Vorlesen. Oder organisieren Sie einen Buch-Tausch mit Elternfreunden.
Integrieren Sie Jolabokaflod in Ihren Heiligabend. Jedes Buch vermittelt: Lesen ist ein besonderes Geschenk. Es könnte zur Tradition werden, auf die Ihre Familie Jahr für Jahr sehnsüchtig wartet.